Sonntag, 19. Februar 2017

Gepredigt: Verloren und gefunden – Teil 1 von Lukas 15

Heute habe ich eine neue kurze Predigtserie über Lukas 15 begonnen. Überblick über das Kapitel und besonders die ersten beiden Verse betrachtet. Nachzuhören wie üblich im Predigtarchiv.

Der verlorene Sohn hat seinen Vater besser gekannt als der zweite Sohn, der zurückblieb. Der verlorene Sohn, der sein Erbe wollte, hat gewusst, dass der Vater den Wunsch hat, dass seine Söhne sich freuen sollen. Sein Problem war nur, dass er die Freude am falschen Ort suchte. Und falsche Orte um unsere Freude zu suchen, gibt es für jeden von uns genug. Wenn unsere Freude darin besteht, in einer Diskussion über die Bibel am Ende recht zu behalten, dann suchen wir am falschen Ort. Wenn wir unsere Freude darin suchen, zu murren, wie schlecht die Welt doch grad ist, dann suchen wir unsere Freude am falschen Ort. Manchmal geht es uns Bibeltreuen so. Wir lieben die Diskussionen, weil uns der Widerstand das Gefühl gibt, auf der richtigen Seite zu stehen. Das kann schnell einmal zum Grund für unsere Freude werden, und dann sind wir genau so wie der verlorene Sohn.

Die Preisfrage vom ganzen Kapitel 15 im Lukasevangelium lautet: Ist meine Freude dieselbe wie Gottes Freude? Es gibt ein Maß, mit dem man die Größe dieser Freude messen kann. Dieses Maß ist die Menge der Schwierigkeiten, die ich auf mich zu nehmen bereit bin, damit wer zum Glauben an Jesus Christus findet. Ganz praktisch zeigt Gott uns das in Jesus Christus: Gott liebt Seinen Sohn, Jesus Christus, aber Gott möchte uns erlösen und gibt dafür alles auf, weil Gottes Freude an der Erlösung von Sündern die größte Freude ist. So groß, dass Gott Vater bereit ist, Seinen Sohn dafür zu opfern. So groß, dass Jesus Christus Sein Leben dafür opfert. So groß, dass der Heilige Geist bereit ist, in so unfertigen und unperfekten Gefäßen Wohnung zu nehmen wie wir es sind. Und jetzt ist Gottes Frage heute morgen an jeden von uns: Ich habe alles getan, damit viele Sünder gerettet werden. Und was bist Du dafür zu tun bereit?


Lukas 15 erzählt uns die Geschichte von Gottes Freude, was geschieht, wenn Menschen gerettet werden. Diese Geschichte wird dreimal erzählt und es sieht wie drei verschiedene Geschichten aus. In Wirklichkeit ist es eine Geschichte, die von drei verschiedenen Seiten angeschaut wird. Es ist ein Kapitel, das uns auf die Knie treiben soll, weil wir viel zu oft eher so wie die Pharisäer und Schriftgelehrten reagieren und murren. So haben schon die Pharisäer und Schriftgelehrten Jesus Vorwürfe gemacht weil Er mit Menschen abhing, die sie nicht im Reich Gottes haben wollten.

Freitag, 17. Februar 2017

„Wotsch en Brief, so schryyb en Brief“

(„Willst du einen Brief, so schreibe einen Brief“)
So hieß es in meiner Kindheit, wenn ich den Briefkasten leerte und es schade fand, dass da nebst der Zeitung oft nur Rechnungen und Werbung ins Haus flatterte. Kürzlich habe ich mich mit einem Freund darüber unterhalten, wie die Briefsammlungen in Zukunft wohl aussehen werden. 20 Bände mit einzeiligen eMails, SMS, WhatsApp-Nachrichten und Facebook-Messages? Eine schreckliche Vorstellung. Aber gar nicht so abwegig. Und doch sind es oft gerade die Briefsammlungen, die ich so wertvoll finde. In den Briefen der Reformatoren und auch anderer wichtiger Persönlichkeiten finden sich die Personen ganz authentisch. Als ich im Studium auf die von Rudolf Schwarz herausgegebene Sammlung von Briefen Johannes Calvins stieß, war das traumhaft, denn da konnte man den Mann hinter der Institutio in all seinen Schwierigkeiten, Erbitterung, Schmerzen und Problemen, aber auch in seinen Freuden und Siegen erleben. In den Briefen werden viele Dinge klarer und besser sichtbar, weil sie die Veränderungen des Menschen beschreiben. Selbst dann, wenn sich dieser dessen gar nicht bewusst ist. Große Persönlichkeiten haben schon immer große Freundschaften gepflegt und sind nicht selten erst durch diese Freundschaften zu dem „geschliffen“ worden, was sie später waren.

Wir leben in einem Zeitalter der sofortigen Befriedigung. Wenn wir etwas wissen wollen, so sind wir nicht mehr bereit, Wochen auf die Antwort zu warten. Die Zeit der sofortigen Befriedigung hat ihren Anfang mit dem Telegraphen genommen, als es erstmals möglich war, Informationen schneller als Menschen zu befördern. Dann kam das Telephon. Heute haben wir durch das Internet einige weitere Medien, die uns diese schnelle Befriedigung gewähren. Dadurch geht nicht nur die Geduld verloren, sondern auch ein Teil des Menschseins an sich. Die Information wird entpersönlicht, da sie vom Menschen als Medium losgekoppelt und stattdessen durch unpersönliche Medien weitergegeben wird. Die Handschrift mit ihrer jeweils persönlichen Note geht verloren; alles kann nach Vorlage XY formatiert werden. Der vielleicht einzige Unterschied ist noch die Anzahl an Fehlern der Grammatik; aber auch diese können dank entsprechender Software größtenteils eliminiert werden.

In meiner Kindheit und frühen Jugend hatte ich im Laufe der Jahre insgesamt sechs Brieffreundschaften. Zwei davon wurden über die Grundschule vermittelt, wo wir als ganze Klasse mit einer anderen Klasse in Deutschland einen solchen Briefaustausch pflegten. Eine entstand durch eine Flaschenpost, die ich beim Tretbootfahren aus dem Lago di Lugano gezogen habe. Die drei anderen kamen dadurch zustande, dass ich auf Anfragen in einer Kinderzeitschrift antwortete. Alle sechs haben mir sehr viel gebracht; und alle sechs wurden dadurch beendet, dass plötzlich keine Antwort mehr kam. Auch auf mehrere Nachfragen war Funkstille. Das war schade, denn es zeugt von der Wegwerfgesellschaft, in der wir leben. Menschen werden solange gebraucht, wie sie einem genug Wertvolles geben. Sobald etwas anderes wertvoller wird und die Zeit fehlt, lässt man bisherige Menschen fallen. Oft auch, ohne das selbst zu sagen; einfach nur durch Ignorieren.

Ich frage mich immer mal wieder, ob es so etwas wie eine richtige Brieffreundschaft mit handgeschriebenen Briefen, Briefmarken, Umschlägen und der Freude am Briefkasten noch gibt. Meinem Sohn wünsche ich, dass er diese Freude eines Tages auch erleben darf.


Samstag, 11. Februar 2017

Fragen zu den Feuerschreibern und der Reformationszeit

Nachdem ich vor ein paar Tagen die Rezension zum Buch „Die Feuerschreiber“ hier im Blog veröffentlicht habe, nahm ich Kontakt mit der Autorin Claudia Schmid auf. Ihr durfte ich ein paar Fragen zu ihrem Buch, ihrer Arbeit und der Reformationszeit stellen. Nachfolgend meine Fragen mit den Antworten von Frau Schmid.


1. Hallo Frau Schmid, bitte stellen Sie sich doch einmal kurz vor: Ihren Werdegang und besonders auch wie es zu Ihrem Interesse an der Reformation gekommen ist.

Claudia Schmid: Ich habe nach einigen Jahren der Berufstätigkeit Germanistik und Betriebswirtschaftslehre studiert, mein Ehemann und ich haben eine gemeinsame erwachsene Tochter. Wir wohnen ziemlich mittig zwischen Heidelberg und Mannheim in der Nähe des Neckars. Vor beinahe zehn Jahren veröffentlichte ich meine erste Kurzgeschichte. Mittlerweile sind es über vierzig, dazu haben sich sechs Bücher gesellt.

Mein Mann und ich haben in der Nikolaikirche in Isny im Allgäu geheiratet, weil mein Mann von dort stammt. In deren Turm befindet sich ein kostbares Kleinod, nämlich die Prädikantenbibliothek. Sie ist in ihrem Original-Zustand erhalten, sogar der Teppich, der zum Schutz auf dem Tisch lag, weil die Bücher ja regelrecht „aufgeschlagen“ wurden, ist noch ein Original. Gegen Ende des dreißigjährigen Krieges gab es einen verheerenden Stadtbrand in Isny, wie durch ein Wunder blieb der Kirchturm mit dieser Bibliothek erhalten. Während meines allerersten Besuchs in der Prädikantenbibliothek, als ich in diesem ganz besonderen Raum mit diesen kostbaren Bücherschätzen stand, fing ich Feuer für das Zeitalter der Reformation.

Denn in Isny gründete einer der Männer, der bei Luthers Heidelberger Disputation im April 1518 anwesend war, die erste hebräische Druckerei im deutschen Sprachraum, auch Bücher aus dieser Druckerei befinden sich in der Prädikantenbibliothek. Er arbeitete gemeinsam mit dem jüdischen Gelehrten Elias Levitha, der dazu, wie damals üblich, zu Fuß anreiste. Von Venedig über die Alpen, und das, obwohl er bereits siebzig Jahre alt war. Der Reformator war Paul Fagius, geboren in Rheinzabern. Das liegt in der Nähe unseres Wohnortes, und so kam es, dass ich anfing, mich mit der Reformation zu beschäftigen. Zuerst habe ich mich dem Thema mit historischen Kurzgeschichten angenähert, dann habe ich vor einigen Jahren den Roman „Die brennenden Lettern“, quasi eine Romanbiographie des Paul Fagius, geschrieben. Daraufhin entstand bei mir der Wunsch, nochmals einen Reformationsroman zu schreiben, bei dem ich so richtig tief in die Materie eintauchen konnte. Ich gestehe, dass ich es liebe, ausdauernd und umfassend zu recherchieren und mich mit Empathie in meine Figuren einzufühlen. Mit der Arbeit an dem Roman „Die Feuerschreiber“ ist dieser Herzenswunsch in Erfüllung gegangen. Dafür bin ich dem Verlag Fontis sehr dankbar.

2. Was ist Ihnen bei Ihrer Beschäftigung mit der Reformationszeit wichtig geworden? Gibt es Dinge, die Sie ganz neu erkannt haben?

Claudia Schmid: Philipp Melanchthon setzte sich unermüdlich für die Bildung aller ein, etliche Schulgründungen entsprangen seiner Initiative. Für ihn war Bildung unerlässlich. Alle Reformatoren, auf die ich während meiner Recherche aufmerksam wurde, waren fürsorgliche Familienväter, die viel Kraft aus der Liebe zu ihren Familien schöpften. Und, was ein wesentlicher Punkt ist, sie hatten keine Angst vor falschen Autoritäten.

Geschichte ist immer auch eine Geschichte der Macht, von Beherrschung, Bedrohung und von der Gier nach Reichtum. Ich gewann den Eindruck, dass es den Reformatoren nicht um Macht und um eigene Vorteile ging. Sie wollten eine Erneuerung der Kirche zum Wohle aller Menschen, die Gemeinschaft sollte davon profitieren. Es waren mutige Menschen, von denen etliche sogar ihr Leben riskierten und auch ließen, weil sie etwas Höheres als sich selbst gesehen haben, sich dabei aber nicht über die anderen stellten.

3. Was können heutige Kirchen und Freikirchen ganz konkret von der Reformationszeit lernen?

Claudia Schmid: Mein historischer Roman bietet einen Einstieg in die Thematik der Reformation. Weiterreichendes können Interessierte im Selbststudium und im Rahmen ihrer Gewissensbildung für sich selbst erarbeiten und selbst Rückschlüsse daraus auf unser Leben heute übertragen.

4. Sie hatten für Ihre Recherche die Gelegenheit, eine ganze Menge Literatur zu Luther, Melanchthon und auch zur Reformation insgesamt zu wälzen – wohl mehr als ich im ganzen Leben werde lesen können. Mal angenommen, es gibt Blogleser, die durch Ihr Buch ein großes Interesse an der Reformation und den Protagonisten gewonnen haben. Welche (für Laien einfach verständliche) Literatur würden Sie empfehlen, um fortzufahren?

Claudia Schmid: Ich habe wirklich sehr viel gelesen! Über die Fernleihe der hiesigen Universitätsbibliothek habe ich unzählige Bücher bestellt und ich war in Archiven, um dort vor Ort in der vorhandenen Literatur zu lesen. Es ging für mich als Romanautorin zusätzlich zu theologischen Aspekten auch darum, herauszufinden, wie die Menschen damals lebten, wie haben sie sich ernährt, wovor hatten sie Angst, was hat sie beschäftigt, wie war die politische und soziale Lage. Was hat sie angetrieben, was wollten sie verändern und erreichen?

Mein absoluter Favorit ist über all die Jahre, in denen ich mich mit dem Thema Reformation beschäftige, das 1000seitige Buch von Diarmaid MacCulloch, „Die Reformation 1490 – 1700“ geblieben. Es hat einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal. Ich liste es mit einigen weiteren Titeln in der Literaturliste meines Romans „Die Feuerschreiber“ auf.


5. Gibt es für Sie persönlich Fragen, die noch offen geblieben sind? Über welche Themen und Fragen würden Sie gern mit den Reformatoren sprechen, wenn das möglich wäre?

Claudia Schmid: Das ist eine sehr interessante Frage! Ehrlich gesagt, habe ich sie mir noch nie gestellt. Für mich als Schriftstellerin wirft sie eine Reihe von weiteren Fragen auf, etwa: In welcher Form wäre ich den Reformatoren begegnet? Welcher sozialen Schicht hätte ich angehört? Würde es mir gelingen, von meinem Hier und Jetzt zu abstrahieren und mich im Kontext der damaligen Zeit zu bewegen und zu denken? Das ist sehr spannend. Ich denke, ich wäre gerne bei einer Arbeitssitzung dabei gewesen, als die Gelehrten im Schwarzen Kloster gemeinsam an der Übersetzung des Alten Testaments arbeiteten. Aber als stille Beobachterin. Und sobald die Zeitmaschine mich wieder ins Heute befördert hätte, hätte ich sofort ALLES aufgeschrieben.

6. Gibt es schon weitere Projekte, an denen Sie arbeiten, und von denen Sie ein wenig erzählen können?

Claudia Schmid: Die gibt es. Aber ich gehöre zu den Kreativen, die ihren eigenen „workflow“ ausbremsen, sobald sie darüber reden. Soviel: Das Zeitalter der Reformation bleibt meine bevorzugte Epoche für historische Texte.

7. Welche Tipps würden Sie jemandem geben, der mit dem Gedanken spielt, selbst einen historischen Roman zu schreiben?

Claudia Schmid: Für ein Thema bedingungslos brennen! Lesen, lesen, lesen! Alles, aber auch wirklich alles, was damit zu tun hat und was man bekommen kann. Die ganz alten Bücher darf man ja nicht ausleihen oder sie sind in einer Form verfasst, die für uns heute schwer lesbar ist, beispielsweise in einer Schriftart, die nicht mehr gebräuchlich ist. Da ist es dann zu empfehlen, zu recherchieren, ob dieses Buch in einer neuen Herausgabe erhältlich ist. Unbedingt an die Orte reisen und verweilen, an denen der Roman handelt! Versuchen, einzutauchen in die damalige Zeit und vom Heute abstrahieren, sich selbst zurücknehmen. Und dann, wenn man sich an so einem Ort befindet und ihn mit all seinen Sinnen aufnimmt, wenn die Romanfiguren zum Leben erwachen, wenn man sie sieht und riecht und sie zu einem sprechen, dann ist es soweit, mit dem Schreiben zu beginnen.

Vielen Dank für Ihre wertvollen Antworten!

Claudia Schmid: Ich bedanke mich für die Fragen und für das Interesse an meinem Roman.


Donnerstag, 9. Februar 2017

Warum sich jeder mit Friedrich Nietzsche befassen sollte

Friedrich Nietzsche ist der Philosoph, der mich persönlich schon am längsten beschäftigt. Nun kann man meine Überschrift kritisieren und sagen, dass ich mein Steckenpferd doch bitte nicht jedem aufdrängen sollte. Meine Gründe für die Aussage sind vielfältiger als das auf den ersten Moment erscheint. Nietzsche hat Christen und Nichtchristen, besonders auch selbsternannten Atheisten, sehr viel zu sagen. Doch gibt es auch Missverständnisse über ihn, die man nur lösen kann, wenn man sich direkt mit ihm und seinen Werken befasst. Außerdem hat seine Theologie und Philosophie eine Wirkungsgeschichte, die das wahre Wesen des Atheismus aufzeigt.

Am bekanntesten ist wohl Nietzsches Rede vom Tode Gottes in der Fröhlichen Wissenschaft. Nietzsche war nie stolz darauf, dass er endlich diesen Gott umgebracht hat. Manchmal wird das ein wenig so dargestellt. Im Sinne von: Endlich ist die Menschheit weit genug evolviert, um ohne Gott auszukommen. Nietzsche hat sich nie so geäußert. Er hat vielmehr festgestellt, dass es in den Kirchen viel Heuchelei gibt, dass Menschen predigen, die selbst gar nicht so glauben, was sie da erzählen, und so weiter. Unter dem Einfluss von Darwins Evolutionslehre hat er gedacht, dass der Mensch irgendwann diesen Gott nicht mehr braucht, und Nietzsche selbst sah seine Lebensaufgabe darin, herauszufinden, wie der Mensch ohne Gott leben kann; welche Werte er auch ohne Glauben tatsächlich noch vertreten kann.

Nietzsches Leben und Werk zeigt den schrecklichen Einfluss, den die liberale Theologie auf einen jungen Menschen haben kann. Als er David Friedrich Strauß' „Das Leben Jesu, kritisch bearbeitet“ in der gekürzten, einbändigen Ausgabe las, verlor der junge, fromme Pietist seinen Glauben. Strauß wollte den historischen Jesus in den Evangelien finden – und am Ende fand er ihn nicht, sondern brachte auch noch seine Leser vom Glauben ab. Wir sollten uns an das Schicksal von Nietzsche erinnern, wenn wir uns historisch-kritischen Theologen wie Siegfried Zimmer und anderen öffnen.

Nietzsches Werk zeigt aber auch, wie ein echter Atheist zu denken und leben hat, wenn er denn bereit ist, kompromisslos mit Haut und Haaren seinen Atheismus zu bedenken und zu leben. Er muss im Zuge der Evolutionslehre vom Überleben des Stärkeren ausgehen und alle Hilfe dem Schwächeren gegenüber ablehnen. Warum? Weil sich dann nur die starken Gene weiter fortpflanzen. Die Neuen Atheisten sind allesamt Heuchler, die meinen, dass Atheismus auch Humanität beinhalten könne. Nietzsche zeigt sehr deutlich auf, dass das ein Widerspruch in sich selbst ist.

Nietzsches Werk macht aber auch sichtbar, dass es selbst in einer atheistischen Welt ein Metanarrativ, also eine übergeordnete Weltgeschichte und eine klare Weltanschauung braucht. Deshalb schrieb Nietzsche den Zarathustra. Dieser sollte als Bibel für die gottlose Zeit gebraucht werden. Er merkte, dass der Mensch nicht ohne Geschichte und ohne ein Staunen über seine Umwelt leben kann. Hierin zeigt sich Nietzsche aber auch wieder als unauthentisch und kompromissbereit. Für Christen sollte dies ein Grund sein, die biblische Heilsgeschichte und Weltanschauung ernst zu nehmen und daran aufzuzeigen, dass es die bestmögliche Art und Weise ist, die Realität zu betrachten.


Gerade auch die Wirkungsgeschichte von Nietzsches Werk sollte spätestens jeden denkenden Menschen überzeugen, dass der echte Atheismus eine gefährliche Ideologie ist, die besonders auch nicht mit dem Gewissen des Menschen vereinbar ist. Zahlreiche hohe Persönlichkeiten des Nationalsozialismus und der verschiedenen Kommunismen waren stark von Nietzsche beeinflusst. Wenn man dieser Tatsache ehrlich ins Auge schaut und sich fragt, was wir von Nietzsche lernen können, dann könnte ein möglicher Gedanke folgender sein: „Nie wieder Atheismus!“ 

Mittwoch, 8. Februar 2017

Auseinandersetzung mit der Medienethik in Romanform

Da ich mich schon länger immer wieder mit der Medienkritik und Medienethik beschäftige, ist die Idee entstanden, diese Sammlung von Wissen und eigenen weiterführenden Gedanken in der Form eines Romans zugänglich zu machen. Die Rahmenhandlung ist frei erfunden. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind keinesfalls beabsichtigt. Nacherzählungen von Gedanken anderer Autoren sind mit bestem Wissen und Gewissen – wenn auch teilweise ein wenig vereinfacht – wiedergegeben. Die Inhalte dürfen gerne diskutiert werden – ich bin für Kritik und Ergänzung offen. Wichtig ist mir aber, dass die Gedanken so einfach bleiben, dass sie in jeder Familie nach-gedacht und umgesetzt werden können.

Wer sich für die Bedeutung und den Umgang verschiedener Medien interessiert, ist herzlich eingeladen, auf meiner neuen Seite mitzulesen und auch zu diskutieren. Ich habe vor, das Ganze am Ende zu überarbeiten und werde konstruktive Vorschläge mit aufnehmen.




Montag, 6. Februar 2017

Die Feuerschreiber – ein historischer Roman von Claudia Schmid

Schmid, Claudia, Die Feuerschreiber: Martin Luther und Philipp Melanchthon. Historischer Roman, Fontis Verlag Basel, 2016. Amazon-Link

Ich habe mich nun mal in ein Genre hineinbegeben, das ich sonst eigentlich eher meide: Historische Romane. Warum ich dieses meide? Mir ist die Mischung aus Recherche und Fiktion suspekt. Muss ich ehrlich zugeben. Da haben mich solche Romane, die ich vor langer Zeit mal gelesen habe, abgeschreckt; es ist dann nämlich oft so, dass die Recherche durch die Phantasie der Autoren ersetzt wird und der tatsächliche historische Inhalt ungefähr dem entspricht, was auf Wikipedia zu finden ist. Aber nun habe ich mich – dank eines Gewinns des Buches (herzlichen Dank an den Blog „Bücher ändern Leben“, an die Autorin und an den Fontis-Verlag) einen neuen Versuch gewagt – und bin begeistert.

Hier ist nun mal ein historischer Roman, wo man das Gefühl bekommt, dass sich die Autorin wirklich viel Mühe mit den Recherchen gibt und sich zugleich auch gut in die Charaktere hineinversetzen kann. Natürlich sind die meisten Unterhaltungen und auch einige der Nebencharaktere frei erfunden. Dennoch muss ich der Autorin für das Verstehen und schriftstellerisch praktische Umsetzen der Theologie der Reformatoren ein großes Lob aussprechen. Ein kleines Beispiel: "Ja, der Mensch in seiner Vermessenheit wollte sein wie Gott. Mit dieser Anmaßung kam das Böse in die Welt, es brachte den Teufel ins Spiel, der mit Gott um die Herrschaft über die Menschen rang. Aber der gnädige Gott eröffnete in seiner Weisheit einen Weg für die Gläubigen. Denn er liebte die Menschen so sehr, dass er seinen Sohn für sie opferte. Der Glaube an die Erlösungstat des Heilands, an seinen Tod und an seine Auferstehung schenkt Erlösung. Gottes Liebe steht über allem!" (S. 59) Man kann sich jetzt über die exakte Formulierung natürlich trefflich streiten, aber alles in allem finde ich es gut ausgedrückt.

Ich möchte das Buch besonders zwei Gruppen von Menschen empfehlen: Erstens jenen, welche gerade erst beginnen, sich mit der Geschichte der Reformation zu beschäftigen. Jenen empfehle ich, es nicht bei diesem einen Buch zu belassen. Es gibt zahlreiche weitere Literatur, die sich mit der Biographie und Theologie der Reformation beschäftigt. Die zweite Gruppe betrifft Menschen, die sich bereits eingehend mit der Reformation befasst haben, und sich einfach mal entspannt einem Buch hingeben möchten, das sie auch emotional in die damalige Welt mit ihren Sorgen, Nöten, Ängsten und Diskussionen hinein begeben wollen. So war es für mich persönlich. Das Buch hat mich erneut für die fünf „Solae“ der Reformation begeistert und ermutigt, trotz allem Widerstand und all der Irrlehren, die in unseren Tagen umgehen, weiter dran zu bleiben und Gottes Wort, die Bibel, treu zu predigen.


Samstag, 28. Januar 2017

Drohnald Dump, alternative Fakten und die Postmoderne

Was passiert, wenn eine Weltanschauung zurückschlägt, kann momentan in der Politik international sehr schön beobachtet werden. Man könnte es „Karma“ nennen: Jedes Land bekommt, was es verdient. Ich möchte es nicht so nennen, denn das wäre zynisch. Erstens bin ich kein Hinduist, auch kein verkappter (das wäre ein Buddhist), zweitens glaube ich an die Gnade des persönlichen biblischen Gottes, und drittens möchte ich mir nicht vorstellen, wie Karma in echt aussehen würde. Das wäre nämlich um ein Vielfaches schlimmer als alles, was unsere Erde bisher schon (zusammen genommen) mitansehen durfte. Man könnte es auch „natürliche Auslese“ nennen: Der Stärkere überlebt. Und manchmal ist das nicht so schön. Besonders dann, wenn menschliche Gedanken in die Tat umgesetzt werden. Wie zum Beispiel jetzt.

Seit einigen Jahren ist dieser Trend in der westlichen Welt zu beobachten. Der moralische Relativismus greift um sich; er verlangt nach praktischer Umsetzung. Wenn irgend eine Handlung in dieser Welt moralisch relativ wäre, wenn sie also „neutral“ wäre und nur von der jeweiligen umgebenden Kultur abhängig, dann würde sie nichts bewirken. Solange eine Tat (oder ein Wort) etwas bewirkt oder bewirken soll, ist sie (oder es) nicht relativ; und somit nicht neutral. Leider hat sich aber ein Denken, besser gesagt eine Weltanschauung, in unsere westliche Welt eingeschlichen, das uns genau dieses weismachen will: Dass Gedanken, Worte und Handlungen nur in Bezug auf ihre Umgebung, ihre Kultur oder Subkultur moralisch beurteilt werden können. Das hat natürlich eine ganze Geschichte hinter sich und ist in gewisser Weise verständlich.

Lange Zeit hat der Mensch gedacht, dass es möglich sei, durch die Wissenschaften und Entdeckungen, Erfindungen, Forschungen, und so weiter, eine erlöste Welt zu erschaffen. Man glaubte an die autonome Vernunft, der dies alles möglich sein soll. Diese autonome Vernunft, die so autonom in Wahrheit gar nicht war, führte letzten Endes zur Erfindung von Massenvernichtungswaffen und zwei Weltkriegen; sie hat bereits in der französischen Revolution ein unvorstellbares Blutbad angerichtet; sie hat zu verschiedenen roten und braunen Sozialismen geführt, die im Grunde genommen dieses Weltbild der autonomen Vernunft ad absurdum geführt haben. Und dann stand man da und staunte: Was könnte es denn sonst noch sein, was uns das Heil bringen könnte? Die Jahrhunderte alten Glaubenssysteme hielt man für völlig veraltet; sonst hätte man ja den Mythos von der kontinuierlichen Weiterentwicklung aufgeben müssen.

Der nächste Schritt bestand darin, alles zu bezweifeln und abzuschaffen, was irgend etwas mit diesem „modernen“ (also vernunftverherrlichenden) Denken zu tun hat. Leider wurde dabei das Kind mit dem Bade ausgeschüttet und alles in Zweifel gezogen. Nun war es das Gefühl, das Innerliche, das Selbst, was zählte. Der „starke Mann“, der „einsame Cowboy“ und der eigenständig denkende Wissenschaftler gehörten nun zu den geliebten Feindbildern. Neue Wissenschaftszweige blühten auf, die die Ergebnisse der bisherigen Wissenschaften hinterfragten. Alles sei relativ. Alles dürfe nur in Bezug auf die jeweils sprechende oder schreibende Kultur hin verstanden und gedeutet werden. Sprache würde nur aus Sprachspielen bestehen. Was bisher selbstverständlich war, wurde nun als Versuch gedeutet, die Mächtigen an der Macht zu halten. Nicht immer hatte man damit unrecht. Aber man kann auch hier über das Ziel hinausschießen.

Immer mehr bildete sich eine (nicht nur, aber zu großen Teilen) universitäre Elite, die im Namen der Toleranz versuchte, Sprechverbote und zusätzliche Gesetze im Namen einer politischen Korrektheit zu erwirken. Auf das einfache Volk, den Fabrikarbeiter, den Farmer, den Konditor und den Blumenhändler kamen plötzlich Gesetze zu, die ihre Existenz zu vernichten bedrohten, wenn sie dabei erwischt wurden, diese neuen Gesetze nicht ernst zu nehmen. Unsicherheit breitete sich aus – denn wer konnte sicher sein, dass nicht im Laufe eines Tages etwas Neues als politisch inkorrekt erkannt wurde? So begann sich eine unglaubliche Wut anzustauen. Angst, Wut, Unsicherheit. Diese Zutaten führen häufig zu einer Krise der Gesellschaft. Wenn sich die Menschen nicht mehr ernst genommen fühlen, sondern im Gegenteil das Gefühl bekommen, dass sie der politischen Elite nicht mehr hinterherkomme, so staut sich über die Jahre eine explosive Mischung auf, die nur noch einen Funken benötigt, um in die Luft zu gehen.

Es gab eine Zeit, in welcher noch Charakter gefragt war. Die Weltanschauung der Postmoderne hat das Image in den Vordergrund gerückt. Hier werden mir wohl einige Leser widersprechen wollen, die meinen, dass Authentizität wichtiger sei als das Image. Das ist nur bedingt wahr – denn Authentizität und Charakter ist nicht dasselbe. Waren lange Zeit die großen Helden und Vorbilder wichtig (der „starke Mann“, der einsame Cowboy und der eigenständige Wissenschaftler), so wurden diese zu Antihelden erklärt. Dennoch kann der postmoderne Mensch nicht ohne Vorbild leben. Er sucht die Identität zwar in sich selbst, um sich selbst zu dem zu machen, was er sein will – gleicht sich aber trotzdem ständig mit seiner Umgebung ab. Daraus folgt eine starke Bindung an das soziale Umfeld – die Subkultur und darin die Peergroup, wobei ein starker Druck zur Konformität innerhalb der Peergroup entsteht. Um dazu zu gehören, ist das Image wichtig – also wie man nach außen erscheint. Authentizität wird nur innerhalb der jeweiligen Vorgaben der Peergroup gesucht. Charakter hingegen ist das, was auch dann vorhanden ist, wenn keiner zuschaut.

In dieser Zeit wird der Charakter immer unwichtiger – nicht grundsätzlich, sondern für den Menschen, der die postmoderne Ideologie absorbiert hat. Dazu muss man nichts von Michel Foucault, Jacques Derrida oder Richard Rorty gehört oder gelesen haben. Diese Ideologie wird in tausenden von Spielfilmen und abertausenden von Romanen in unser Denken transportiert. Da wird es plötzlich nicht mehr so wichtig, wie sich jemand verhält, weil Charakter zweitrangig ist. Im Business gilt: Alle PR ist gute PR, deswegen sind schrille, auffällige Leute beliebter. Wer auffällt, verkauft sich gut. Inhalte sind erstmal nicht so wichtig. Warum auch? Alles ist schließlich relativ. Und hier – wenn Fakten plötzlich relativ sind und „alternativ“ sein können, schließt sich der Kreis. Der Postmodernismus hat ein Monstrum geschaffen, mit dem er sich selbst abschafft. Das Kind frisst seine Eltern auf. Hier sind wir wieder beim Schicksal von Ideologien. Unbiblische Ideologien werden sich immer selbst auffressen. Sie sind dazu verdammt, weil sie nicht der Realität entsprechen – und irgendwann schlägt die Realität zurück und hinterlässt nicht selten scharlachrote Spuren des Lebenssafts. Man ist an Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ sowie Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter erinnert. Oder an Goethes Zauberlehrling. „Die Geister, die ich rief, werd' ich nun nicht mehr los!“

Diese Gedanken treiben mich ins Gebet. Gott möchte, dass wir für alle beten, die in der Verantwortung stehen. Für den amerikanischen Präsidenten. Für die deutsche Bundesregierung. Für die kommenden Bundestagswahlen. Gegen Fake-News und „alternative Fakten“. Und für eine Erweckung. Für die vielen Menschen, die unter den Entscheidungen zu leiden haben werden. Für die vielen, die enttäuscht werden, wenn sie aufwachen und merken: Mensch, da hab ich was gewählt, was ich nicht wirklich will! Dafür, dass diese Menschen erkennen, dass alle Ideologien in die Irre führen, aber die Bibel und ihre ganze Botschaft die Wahrheit ist und sie den stellvertretenden Sühnetod und die Auferstehung Jesu nötig haben.


Donnerstag, 26. Januar 2017

Wie man ein Schiff kapert...


...und keiner es merkt, bis es zu spät ist.

Man stelle sich vor: Da ist eine Gruppe von Seeräubern, die ein Schiff übernehmen will, aber nicht im Kampf auf offener See; vielleicht schon deshalb, weil diese Gruppe kein eigenes Schiff hat. Was macht sie? Sie ist an Land und lässt sich anheuern. Der erste Schritt ist derjenige der Einheit mit der echten Mannschaft. Die Seeräuber rufen nach Frieden und Toleranz. „Dass wir Augenklappen und Holzbeine haben, tut nichts zur Sache. Ihr solltet uns vielmehr unterstützen und anheuern, damit wir nicht mehr ausgeschlossen und intolerant behandelt werden.“ Keiner lässt sich anmerken, was der Zweck der Sache ist. Sollte jemand Bedenken äußern, kommt der Verweis auf die gemeinsame Stärke: „Zusammen können wir mehr erreichen und mehr Einfluss auf das Boot und die See haben.“

In vielen Gesprächen unter vier (oder müsste man sagen unter drei?) Augen wird Zweifel am Kapitän geäußert. Immer mehr nimmt die Unzufriedenheit zu, bis eines Tages eine Meuterei ausbricht. Wenn die Zahl der Unzufriedenen groß genug ist, kann der Kapitän durch einen Seeräuber ersetzt werden. Noch werden die restlichen Leute der Mannschaft als einfache Mitarbeiter toleriert. Schon bald stehen sie aber vor der Frage, ob sie bereit sind, nur noch dem neuen Kapitän gegenüber loyal zu sein. Wer sich weigert, geht kurzerhand über Bord und wird den Haien zum Fraß vorgeworfen. Wer jetzt noch auf dem Schiff ist, der ist selbst zum Seeräuber geworden. Das Ganze ging ohne Gewalt, ohne jedes Aufsehen und ganz „natürlich“.

Die neuere Kirchengeschichte ist voll von diesem Vorgehen. So ähnlich erging es etwa der Presbyterianischen Kirche, die sich von John Gresham Machen distanzierte und leider stattdessen eine liberale Theologie übernahm, wodurch sie sich selbst zerstörte. Weitere Beispiele werden sich auch heute zur Genüge finden.


Mittwoch, 25. Januar 2017

Von jedem Menschen lernen – geht das?

Mein Ziel ist es, aus jedem Gespräch, jedem Buch, jedem Artikel, jeder Diskussion, zu lernen. Häufig treffe ich dabei auf Meinungen, die gegensätzlich zu den meinigen sind. Wie lerne ich dabei? Ein paar Gedanken, die mir helfen.

1. Ich habe die Chance (das Geschenk), meine eigene Sichtweise zu hinterfragen und damit entweder zu stärken oder zu überarbeiten.

2. Jeder Mensch ist im Ebenbild Gottes geschaffen. Ich darf in jedem Menschen etwas von und über Gott lernen.

3. Gott liebt Vielfalt. Ich darf diese Vielfalt auch lieben, feiern und anerkennen – ohne dabei relativistisch zu werden.

4. In jeder Meinung muss ein Funken Wahrheit stecken, sonst würde sich ja niemand davon überzeugen lassen. Lügen und Irrtümer werden nur wegen ihrer Nähe zur Realität geglaubt.

5. Viele Menschen haben bestimmte Gebiete, in welchen sie deutlich mehr wissen als ich. Davon darf ich profitieren und von ihnen lernen.

6. Ich brauche keine Angst zu haben vor Irrtümern, weil Gottes Wort mir den Maßstab und ewig gültige Kriterien zur Beurteilung aller Meinungen gibt. Wenn Gottes Wort reichlich unter uns wohnt, ist das ein guter Schutz vor Irrtümern.

7. Gott gibt uns besonders in Römer 1,18ff ein wunderbares Hilfsmittel, mit welchem jede Weltanschauung überprüft und hinterfragt werden kann.

8. Irrtümer sind so gut wie immer einzelne Wahrheiten (also korrekte Aussagen), die aber absolut gesetzt werden und so beginnen, über dem ganzen Leben zu thronen und über alles Denken zu herrschen.

9. Ich darf darauf hören, wie andere Menschen aufgrund ihrer Biographie oftmals dieselben Dinge unterschiedlich ausdrücken. Das erweitert meinen Horizont.

10. Viele ernstgemeinte Fragen stellen ist die beste Art, um von allen Menschen zu lernen. Warum ist das so? a. Weil ich dadurch oft dasselbe auf verschiedene Art und Weise hören darf. b. Weil sich der Andere so ernstgenommen und wertgeschätzt fühlt. c. Weil ich damit sicher gehe, dass ich dem Anderen keine Dinge in den Mund lege, die nicht stimmen und ihm zugleich die Möglichkeit gebe, sich noch besser auszudrücken.

Freitag, 20. Januar 2017

Zweifel sind eine Chance

Wie gehen wir damit um, wenn wir beginnen, zu zweifeln? Was, wenn plötzlich unser ganzer Glaube in Frage gestellt wird? Was, wenn Menschen, die uns wichtig sind, auf einmal mit ganz vielen Fragen und Zweifeln ankommen? Oder was, wenn wir in einem Gespräch mit einem Menschen mit einer anderen Weltanschauung Fragen gestellt bekommen, auf die wir nicht sofort eine Antwort haben? Ist das ein Grund zur Sorge? Nein, ist es nicht. Zweifel sind eine Chance – aber wie jede Chance wollen sie genutzt werden. Zumeist werden die falschen Weichen gestellt. Ich möchte drei falsche Wege aufzeigen, und am Schluss den vierten, der nicht der einfachste ist, aber sich wirklich lohnt.

1. Ablehnung und Verdrängung
Zweifel sind vom Teufel“, so hört man noch von Zeit zu Zeit. Allerdings ist diese Redensart schon deutlich seltener anzutreffen wie in früheren Zeiten. Die Folge davon ist, dass manche Menschen Angst vor Zweifeln haben und sie versuchen zu verdrängen. Man trifft ab und zu auf ganz subtile Verdrängungsmechanismen, die zum Beispiel so lauten: „Zum Glück ist der Glaube für mich keine Kopfsache. Da muss ich mir keine Gedanken machen.“ Oder es wird zu einem Relativismus gegriffen: „Jeder kann glauben, was er will.“ Das ist ja an sich nicht falsch, aber es führt doch immer wieder dorthin, dass Menschen nicht bereit sind, über den Glauben nachzudenken. Andere Menschen verzweifeln daran, dass der Glaube angeblich nichts für den Kopf sei. Fakt ist: Der Glaube ist fürs ganze Leben. Unser ganzes Denken, Fühlen, Wollen, Reden und Tun will von ihm bestimmt sein.

2. Resignation
Eine heute häufig verbreitete Reaktion auf Zweifel ist Resignation. Zweifel gehörten zum Glauben dazu, sonst würde es ja nicht Glaube sondern Wissen heißen, so wird dann da oft argumentiert. Also wolle man nicht sicherer sein als nötig, sondern sich irgendwie mit den Zweifeln arrangieren. Doch diese ganze Argumentation ist falsch, weil sie von einer falschen Definition des Glaubens ausgeht. Biblischer Glaube bedeutet, jemandem oder etwas zu vertrauen, wenn man dafür gute Hinweise aber nicht unbedingt Beweise hat, und entsprechend danach handelt. Wenn ich ins Flugzeug steige, gibt es keinen Beweis dafür, dass dieses eine Flugzeug nicht entführt und in einen Wolkenkratzer geflogen wird. Trotzdem vertrauen wir darauf. Wir lesen Gottes Wort und finden, dass die Dinge, die darin beschrieben sind, zuverlässig sind. Deshalb vertrauen wir Gott, dass Er unsere Erlösung voll und ganz vollbracht hat.

3. Vergötzung der Zweifel
Die dritte falsche Reaktion geht noch einen Schritt weiter und Vertreter dieser Reaktion meinen, es sei sogar gesund, Zweifel zu haben und vielmehr noch, sie sorgsam zu pflegen und zu kultivieren. Hinter dieser Reaktion steht der Gedanke, dass ein zu starker Glaube intolerant machen würde, und die Zweifel deshalb eine Balance zur Stärke des Glaubens halten sollten. Dies mag für manche Religionen zutreffen, aber ein christlicher Glaube wird gerade dadurch tolerant, dass er stark ist, denn wer den biblischen Gott liebt, kann nicht anders als die Mitmenschen auch zu lieben. Allerdings muss man natürlich zugeben, dass es einigen Missbrauch dieses Glaubens gab. Die Frage, die sich stellt, ist nun, ob es sich deshalb lohnt, wegen des Missbrauchs den richtigen Gebrauch zu begrenzen. Im großen Ganzen gesehen wäre das kontraproduktiv, weil Menschen dann noch vielmehr beginnen würden, die anderen falschen Reaktionen auf den Zweifel zu verfolgen. Das würde im Endeffekt zu mehr Intoleranz führen, denn gerade so genannte „Tolerante“ verhalten sich besonders intolerant jenen gegenüber, die sie als intolerant sehen.

4. Zulassen, überdenken, nachforschen, überwinden
Der vierte und m.E. Beste Weg, um mit Zweifeln umzugehen, ist nicht der einfachste. Er ist nicht von heute auf morgen beschritten. Verdrängen, resignieren oder vergötzen ist viel einfacher und schneller getan. Wir brauchen vor Zweifeln keine Angst haben. Wir können sie als ein Werkzeug betrachten, das Gott gebraucht, um uns zu stärken. Das Ziel sollte sein, sie irgendwann überwunden zu haben und zur Seite legen zu können, wie einen Hammer, nachdem man sich den Daumen rot und den Nagel in die Wand geschlagen hat. Wir dürfen wissen, dass Menschen seit Jahrtausenden Zweifel gehabt haben; und so haben sich viele Generationen mit denselben Fragen beschäftigt, die wir uns auch heute noch fragen. Wir dürfen die Bücher früherer Generationen befragen, aber auch anderer Menschen in unserer eigenen Generation. Es ist wertvoll, einen Freund zu haben, mit dem man darüber sprechen kann. Es ist nicht immer alles einfach und so schnell beantwortet, wie wir uns das wünschen. Aber es lohnt sich – und macht uns stärker im Glauben und Vertrauen in Gott. Mit Fragen, die den Glauben betreffen, beschäftige ich mich übrigens auch auf meinem zweiten Blog, und lade dazu ein, mir dort Fragen zuzusenden, die sich damit befassen.